Neues Stadion und erste Schneeblicke
Hallihallo hallöle – wir sind’s wieder von der Südhalbkugel. Bevor wir einsteigen (und diesmal wird’s deutlich fotolastiger als sonst), möchte ich kurz eine Frage beantworten, die uns seit dem letzten Blog häufiger erreicht hat. Ich hatte ja zwei Videos geteilt – eines darüber, ob sich Neuseeland als Auswanderungsland eignet (und für wen), und eines über den neuseeländischen Hausbau. Die große Frage war: Wussten wir das alles vorher? Die Antwort ist ein klares Ja. Wir haben gefühlt jedes Buch gelesen und jedes YouTube-Video geschaut, das man zu „Auswandern nach Neuseeland“ finden kann. Uns war also schon ziemlich bewusst, worauf wir uns einlassen. Natürlich erlebt man trotzdem Überraschungen (ja, es gibt keine gescheiten Kräutertees!!!) – aber die großen Themen hatten wir definitiv auf dem Schirm. Also: keine Sorgen 😉
So, was war los in letzter Zeit?
Erstmal ein echtes Highlight für Christchurch: Das neue Stadion, Te Kaha Stadium, wurde letzten Freitag offiziell eröffnet. Der Bau hat rund 683 Millionen neuseeländische Dollar gekostet und dauerte etwa vier Jahre – gestartet wurde 2021, nachdem das alte Stadion durch das Erdbeben 2011 verloren ging. Für Christchurch ist das Ganze mehr als nur ein Sportort: Es ist ein echtes Symbol für den Wiederaufbau der Stadt und soll wieder Leben, große Events und internationale Aufmerksamkeit in die Region bringen. Mit Platz für etwa 30.000 Zuschauer (bei Konzerten sogar mehr) wird es künftig Heimat der Crusaders sein. Außerdem sind bereits große Events und internationale Acts angekündigt – solche Stadien ziehen erfahrungsgemäß alles von Rugby-Länderspielen bis hin zu globalen Musikstars an. Man merkt richtig: Die Stadt bekommt ein Stück Herz zurück.
Dann auch richtig schön: Jetzt, wo es langsam kühler wird, sehen wir die schneebedeckten Südalpen erstmals besonders klar. Und das ist schon ziemlich beeindruckend und löst bei mir den Gedanken an Kaiserschmarrn auf der sonnigen Terrasse einer Skihütte aus. Auch wenn wir in den letzten Jahren gar nicht mehr so oft Skifahren waren – dieses leicht „aussterbende Hobby“ hatten wir eigentlich schon abgehakt. Aber hier in Neuseeland kommen wir ins Grübeln. Von unserem Wohnort aus ist man in etwa 1 Stunde und 15 Minuten in den Skigebieten – zum Beispiel am Mount Hutt oder im Porters Alpine Resort. Vom Gefühl her sind diese Gebiete wohl am ehesten mit kleineren Skigebieten in Österreich vergleichbar – also eher überschaubar und perfekt für einen Tagesausflug, nicht diese riesigen Verbünde wie im Zillertal. Was wir aber jetzt schon sagen können: Die Aussicht scheint hier nochmal eine ganz eigene Liga zu sein. Von manchen Pisten soll man bei gutem Wetter tatsächlich bis zum Pazifik sehen. Skifahren mit Meerblick – da kommt man wirklich ins Überlegen… auch wenn es auf den Hütten leider keinen Germknödel oder Kaiserschmarrn geben wird 😉
Auf den Fotos, das neue Stadium mit den Port Hills im Hintergrund und der Blick von den Port Hills auf die Südalpen auf der anderen Seite.
Zwischen Gedenken und Gipfelblicken
Letzten Samstag war ANZAC Day (Australian and New Zealand Army Corps) – einer der wichtigsten Gedenktage hier in Neuseeland. An diesem Tag wird an die Soldaten erinnert, die im Ersten Weltkrieg (vor allem in Gallipoli) gekämpft haben, aber auch an alle, die später im Einsatz waren. Viele starten den Tag hier ganz früh mit sogenannten „Dawn Services“ – also Gedenkveranstaltungen bei Sonnenaufgang. Insgesamt eine sehr ruhige, respektvolle Stimmung im ganzen Land.
Feiertagstechnisch war das übrigens nicht der erste dieses Jahr: Nach Neujahr ging’s Anfang Februar direkt weiter mit Waitangi Day, dem Nationalfeiertag. Dann kamen im April noch Karfreitag und Ostermontag dazu – und jetzt eben der Anzac Day. Was ganz praktisch ist: Fällt ein Feiertag hier aufs Wochenende, wird er oft einfach am Montag „nachgeholt“. Und bevor jetzt jemand in Deutschland neidisch wird 😉 – nicht vergessen: In Neuseeland sind vier Wochen Jahresurlaub Standard… da sind eure sechs Wochen schon ein echtes Luxuspaket!
Wir haben den freien Tag jedenfalls gut genutzt und sind eine kleine Runde mit dem Rad gefahren. Los ging’s direkt bei uns am Haus, dann durch den Victoria Park und weiter über ein paar MTB-Trails den Berg hinauf. Zugegeben: An manchen Stellen war es eher ein Schieben als ein Fahren – einfach zu steil für uns 😅 – aber die Mühe hat sich gelohnt. Oben angekommen wurden wir mit einer richtig schönen Aussicht belohnt: auf der einen Seite die Southern Alps, auf der anderen der Pazifik. Danach gab’s noch einen klassischen Einkehrschwung beim Sign of the Kiwi, bevor es wieder zurück nach Hause ging. Und am Abend dann noch eine richtig schöne Sonnenuntergangsstimmung mit Blick auf die Stadt. Irgendwie ein passender, ruhiger Ausklang für so einen Gedenktag.
Zwischen Auenland und Alpen: Hanmer Springs
Am Sonntag ging es dann mit Freunden nach Hanmer Springs in die Hot Pools – und das war wirklich ein kleiner Kurzurlaub für sich. Die Hanmer Springs Thermal Pools & Spa sind zwar ein angelegtes Freibad, aber eben ein ganz besonderes: Die Becken werden nicht künstlich beheizt, sondern von geothermischen Quellen gespeist. Das heiße, mineralhaltige Wasser kommt also direkt aus der Erde. Die Anlage ist schön gestaltet – mit verschiedenen Becken, größtenteils mit Steinelementen und Grün drumherum, aber insgesamt klar als Spa angelegt. Die Temperaturen liegen je nach Pool zwischen etwa 36 und 40 Grad, dazu gibt es auch Schwefelbäder. Und das Beste (für uns Erwachsene 😄): Es gibt zwar auch einen großen Kinderbereich mit Rutschen, aber der ist so angelegt, dass man ihn in den ruhigeren Pools kaum sieht oder hört. Perfekt also, um einfach im warmen Wasser zu liegen und abzuschalten. Im Internet sieht man auch Bilder aus dem Winter – dampfende Becken, während außen alles von Schnee bedeckt ist: immergrüne neuseeländische Bäume, Sträucher und sogar Palmen. Das sieht fast ein bisschen surreal aus und steht definitiv noch auf unserer „Müssen wir auch mal erleben“-Liste. Schon die Fahrt dorthin war wieder ein Highlight. Erst ging es durch sanfte, grüne Hügellandschaften – ein bisschen wie das Auenland, mit Schafen hier und da. Danach führte die Strecke entlang eines Flusses, über Brücken und immer weiter Richtung Berge. Gerade jetzt im Herbst hat das Ganze eine richtig besondere Stimmung – goldenes Licht, klare Luft, einfach wunderschön. Der Ort selbst hat mich total an ein kleines Bergdorf in Südtirol erinnert – gemütlich, überschaubar und irgendwie sofort entschleunigend. Beim nächsten Mal bleiben wir definitiv länger: Dann planen wir eine Übernachtung ein und kombinieren das Ganze mit einer Wanderung in der Umgebung. Ein schöner Abschluss dieses Tages war schließlich die Rückfahrt durch das Tal im warmen Licht der untergehenden Sonne.
Christchurch Red Zones: Spaziergang durch Richmond Gardens
Am Montag (es war ja der nachgeholte Feiertag!) waren wir dann wieder in Christchurch selbst unterwegs – diesmal in die Parkanlage „Richmond Gardens“. Das Gebiet gehört zu den sogenannten „Red Zones“ von Christchurch – also Flächen, die nach den Erdbeben 2010/2011 aufgegeben wurden, weil der Untergrund dauerhaft stark beschädigt war. Besonders entlang des Avon River kam es damals zu massiver Bodenverflüssigung: Der Boden hat sich bei den Beben teilweise wie eine Flüssigkeit verhalten, wodurch Häuser absackten, sich verschoben oder nicht mehr sinnvoll zu reparieren waren. Wichtig dabei: Es ging nicht nur um zerstörte Gebäude, sondern vor allem darum, dass der Untergrund langfristig nicht mehr zuverlässig und sicher bebaubar war. Deshalb hat man sich entschieden, ganze Wohngebiete aus der Nutzung zu nehmen. Heute sind diese ehemaligen Wohnflächen vielerorts zu offenen Grünräumen geworden – wie hier in den Richmond Gardens – und entwickeln sich Schritt für Schritt zu neuen Natur- und Gemeinschaftsflächen entlang des Flusses.
In den Richmond Gardens sieht man diese Geschichte noch sehr deutlich. Zwischen Wiesen und Wegen erkennt man hier und da noch Spuren der früheren Bebauung – alte Gartenstrukturen, vereinzelt Obstbäume oder auch Palmen, die einst Teil privater Gärten waren. In unmittelbarer Nähe liegt auch das historische Avebury House – ein viktorianisches Gebäude aus dem 19. Jahrhundert, das die Erdbeben überstanden hat und heute als Community-Zentrum genutzt wird und damit einen seltenen erhaltenen Bezug zur „alten“ Wohnbebauung in diesem ehemaligen Stadtteil bietet. Alles wirkt ein bisschen wie ein leiser Übergang zwischen Vergangenheit und neuer Nutzung. Besonders schön ist auch der Bereich entlang des Avon River. Dort liegt diese typische Christchurch-Stimmung in der Luft: breite Wiesen, weiches Licht und immer wieder kleine Entenpärchen, die gemächlich ihre Runden auf dem Wasser ziehen oder am Ufer entlangwatscheln. Alles wirkt ruhig, fast entschleunigt – als würde die Stadt dort einmal kurz durchatmen.
Mitten in diesem Gebiet liegt auch das alternative Riverlution Cafe – ein kleines, entspanntes Community-Café mit viel Holz, Pflanzen, Hühnerstall und einer kreativen, leicht improvisierten Atmosphäre. Und dann dieses Licht: richtig goldene Oktoberstimmung – oder vielleicht sollte ich mich nun umgewöhnen und sagen „goldene Aprilstimmung“. Die tief stehende Sonne, die warmen Farben über den Wiesen und das glitzernde Wasser am Fluss machen den Feiertags-Aufenthalt besonders stimmungsvoll.
Ganz interessant am Rande: Viele der Bäume, die hier im Herbst ihre Blätter verlieren, wurden ursprünglich von europäischen Siedlern eingeführt. Die eigentliche neuseeländische Vegetation ist nämlich überwiegend immergrün – mit Farnen, Sträuchern und Bäumen, die das ganze Jahr über grün bleiben. Genau dieser Mix aus „importierter Jahreszeitenstimmung“ und ursprünglicher Natur macht die Parks hier irgendwie so besonders.
Halswell Quarry Park: Zwischen Felswand und Coffee Truck
Am Mittwoch bin ich mittags mit Claudi im Halswell Quarry Park im Südwesten von ChCh spazieren gewesen – ebenfalls ein richtig schöner Ort und total abwechslungsreich. Der Park ist ein ehemaliger Steinbruch, was man an der ganzen Topografie noch gut erkennen kann. Heute ist daraus ein weitläufiger Natur- und Erholungspark geworden, der in verschiedene Bereiche unterteilt ist. Es gibt unter anderem einen japanischen, einen chinesischen, einen koreanischen und weitere thematisch gestaltete Gartenbereiche. Dazwischen gibt es offene Wiesenflächen, kleine Waldstücke, Wanderwege auf den Hügeln und immer wieder Aussichtspunkte mit Blick über Christchurch und die umliegenden Hügel. Auch charmant ist das alte „Museumshaus“ im Park – ein kleines historisches Gebäude, das an die Zeit des Steinbruchs erinnert und heute als Informations- und Ausstellungsort dient. Man bekommt dort einen guten Eindruck davon, wie hart hier früher gearbeitet wurde und wie stark sich der Ort verändert hat. Und dann gibt es noch den kleinen Coffee-Wagen vor Ort, der bei gutem Wetter zum sozialen Mittelpunkt des Parks wird. Ein Eis-Kaffee nach dem Spaziergang, mit Blick ins Grüne – mehr braucht es eigentlich nicht – die Bilder sprechen für sich 😉
Zwei an einem Tag
Am Freitagnachmittag entstand ganz spontan der Plan für Samstag: Warum nicht gleich zwei Märkte an einem Tag mitnehmen? Vormittags zum Frühstück in den Riccarton Bush Market und abends dann zum ersten Mal auf einen der drei großen Night Markets in Christchurch – nach Ferrymead.
Marie stellte natürlich direkt die wichtigste Frage überhaupt: „Mama, was ziehen wir an?“ Wir waren uns schnell einig: herbstlich & vintage. Und obwohl Christchurch wirklich eine große Auswahl an Vintage-Secondhand-Läden hat, konnten wir ganz entspannt auf unseren Bestand zurückgreifen – mit ein paar Schätzen, die locker schon 20 Jahre auf dem Buckel haben plus Schmuck und Ringe von Oma. Beim gemütlichen Mutter-Tochter-Kaffee-Ratsch kam dann dieser Satz von Marie: „Mama, ich glaube, so eine tolle Mama-Tochter-Beziehung haben nicht viele.“ Tja… das ging runter wie Öl 🙂 Auf dem Riccarton Market entdeckte Ferdinand dann seine neue große Liebe: Chai Latte, der dort in großen Töpfen mit vielen Gewürzen richtig lange vor sich hin köchelt. Sein Fazit: „Das ist ja viel besser als heiße Schokolade.“ Jo, recht hat er!
Abends ging es dann mit Freunden auf den Ferrymead Night Market. Auf dem Gelände reihen sich zahlreiche Food-Stände und Trucks aneinander – von saftigen Burgern über Pizza bis hin zu chinesischen Dumplings, Nudel- und Reisgerichten und süßen Verführungen wie Churros ist alles dabei. Dazwischen sorgen Lichterketten für eine gemütliche Stimmung, und in einer beheizten Halle kann man es sich zum Essen bequem machen. Wir hatten allerdings weniger Glück bei der Platzsuche und landeten schließlich an einem Tisch mit Kinder-Strandstühlen – was die ganze Sache eher noch lustiger gemacht hat. Alles in allem ist so ein Nachtmarkt genau das Richtige, wenn der Kühlschrank zu Hause leer ist oder man einfach keine Lust aufs Kochen hat. Man schlendert herum, jeder sucht sich aus, worauf er gerade Lust hat, und am Ende sitzt man zusammen, isst und trifft mit hoher Wahrscheinlichkeit noch jemanden, den man von irgendwo kennt – denn Christchurch ist bekanntlich ein Dorf.
Mit dem Rad durch Christchurch bis ans Meer
Heute, am Sonntag, haben wir eine richtig schöne Radtour entlang des Avon River gemacht. Von unserem Haus aus ging es zuerst die Dyers Pass Road hinunter in Richtung Hagley Park, dann weiter durch die grünen Weiten des North Hagley Parks und entlang des Ōtākaro/Avon River durch den idyllischen Avon Loop und die kleinen Uferparks Richtung Osten. Über die liebevoll angelegten Richmond Gardens fuhren wir weiter, immer dem Fluss folgend, durch die ruhigen Abschnitte bei Avondale und Dallington bis hinaus nach New Brighton zum Pier. Dabei haben wir auch festgestellt, wie weit sich die sogenannte Red Zone tatsächlich zieht – bis fast nach New Brighton. Man fährt dort streckenweise auf alten, stillgelegten Straßen, ganz ruhig und ohne Verkehr. Fast ein bisschen wie auf der alten Ponale am Gardasee … nur ohne Steigung 😉.
Am Pier angekommen haben wir uns dann mit Burger und Pommes belohnt, bevor es im warmen Licht der Abendsonne wieder zurück Richtung Stadt ging. Der Rückweg war zwar – wie man es erwartet – ein bisschen anstrengender, schließlich ging es flussaufwärts 😉, aber dafür hatten wir den Ostwind vom Meer im Rücken, was das Ganze direkt wieder ausgeglichen hat. Für den letzten Anstieg haben wir dann ganz entspannt den Bus genommen – hier ganz normal mit Fahrradhalterung vorne (unsere drei Räder durften natürlich auch mit) – und sind so wieder gut nach Hause gekommen. Eine rundum gelungene Sonntags-Tour, die uns wieder ein Stück mehr Gefühl für die Stadt gegeben hat. Und ganz nebenbei habe ich noch etwas Neues gelernt: Es gibt tatsächlich auch schwarze Schwäne! Da ich das nicht wusste, habe ich kurz gegoogelt – und siehe da: Die hier gesichteten Schwarzschwäne stammen ursprünglich aus Australien und sind eine eigene Art, während man in Deutschland fast nur die weißen Höckerschwäne kennt.
Liebe Grüße vom bunten anderen Ende der Welt in euren blühenden Frühling.
Wie immer toller Bericht und toller Bilder. Vielen Dank
Ps.: Muss einen Urlaub planen 🤔
….sehr schön geschrieben, tolle Bilder!
lasst es euch gut gehen, und genießt die neue Heimat 🙂
Liebe Grüße,
Lothar