Kennt ihr das – diese kleinen, völlig unerwarteten Erinnerungsblitze, die eine ganz banale Situation auslösen kann? Bei mir zum Beispiel: Wenn ich beim Haarewaschen in der Dusche versehentlich Wasser in die Nase bekomme, ist das zwar unangenehm – aber gleichzeitig bin ich sofort gedanklich zurück im Freibad. Sonne, Pommes rot-weiß und der unverkennbar nussige Duft des Tiroler Nussöls in der flachen roten Flasche. Warum? Weil ich Wasser in der Nase früher nur dann bekommen habe, wenn ich als Kind eine Arschbombe ins Freibadbecken gemacht hatte. Das Gehirn ist schon ein seltsames Ding.
Und dann gibt es noch meinen ganz persönlichen „Frühjahrs-Flash“. In Deutschland wird er ausgelöst, wenn ab März die Vögel zu zwitschern beginnen und die ersten Motorrad- und Rollergeräusche durch die Straßen schallen – weil die Saisonkennzeichen wieder laufen. Dieses Gefühl kenne ich seit Jahrzehnten: Frühling ist im Anmarsch, die Welt erwacht.
Und jetzt, hier in Neuseeland? Die Vögel zwitschern das ganze Jahr – sie haben schlicht keinen Grund, im milden Christchurch-Winter wegzufliegen. Wohin auch – rundherum ist ja nur Meer. Und bei uns an der Dyers Pass Road, einer der beliebtesten Motorradstrecken der Region, hört man bei schönem Wetter – also meistens – die Maschinen den Berg hinaufbrummen. Das Ergebnis: Mein Gehirn hält den neuseeländischen Winter konsequent für Frühling 😊
So, aber nun ist der Frühling wirklich im Kommen – Sonne, fast 20 Grad, eine leichte Brise und überall blühen die Osterglocken – herrlich. Gestern, Samstag war ich mit den Mädels und Sebi – dem Hahn im Korb – beim Weintasting „Urban Wine Walk“. 9 Locations, jeweils drei Weine und das innerhalb vier Stunden. Was soll ich sagen – es war lustig – Ziel war, nachmittags noch innerhalb der Tramgleise gehen zu können 😁. Hier ein paar Eindrücke.
Und letztes Wochenende waren die Kinder und ich mit dem MTB auf der Summit Road unterwegs bis zum Godley Head und dann runter nach Sumner – auch sehr schön – siehe Bilder.
Und zum Schluß nachfolgend noch ein paar Eindrücke zur Fauna in Christchurch’s Winter.


Winter, so wie wir ihn aus der Oberpfalz kennen, den gibt es hier in Christchurch nicht. Kiwis laufen zwar das ganze Jahr über in Shorts und T-Shirt rum, aber unter 10°C sagen sie, daß es kalt ist. Unter 0°C sinken die Temperaturen so gut wie nie – und in seltenen Fällen muss man morgens eine dünne Reifschicht von der Windschutzscheibe kratzen. Als wir anfangs noch keinen Eiskratzer hatten, musste kurzerhand ein Pfannenwender herhalten – bis ich endlich dazu gekommen bin, einen zu kaufen 😉
Diese für uns milden Bedingungen führen dazu, daß viele Pflanzen mitten im Winter in voller Blüte stehen.
Der Kōwhai (Sophora spp.) ist bekannt für seine auffälligen, leuchtend gelben Glockenblüten im Frühjahr, die eine wichtige Nahrungsquelle für einheimische Honigvögel wie den Tūī darstellen.
Die leuchtend gelben Blütenglocken öffnen sich oft kurz bevor die neuen Blätter austreiben. Viele Bäume stehen im Frühjahr (August) dadurch fast vollständig ohne Laub, aber voller gelber Blüten da.
Der Strauch stelle eine Wichtige Nahrungsquelle für Vögel dar. Die Blüte fällt exakt in die Zeit, in der heimische neuseeländische Honigfresser wie der Tūī, der Bellbird (Korimako) und der Kererū dringend frischen Nektar benötigen. Die Vögel spielen gleichzeitig die Hauptrolle bei der Bestäubung.


Silberfarn (Cyathea dealbata / Ponga): Ein charakteristischer Baumfarn mit silbrig leuchtender Unterseite der Wedel, der als inoffizielles Nationalsymbol Neuseelands gilt.
Der Silberfarn ist im Osten der Südinsel (wie in der Region Canterbury) von Natur aus spärlicher vertreten als auf der Nordinsel. Er wächst dort vor allem in geschützten Täler- und Buschlagen (z. B. in den geschützten Schluchten der Banks Peninsula, an deren Nordseite wir wohnen).
Der Stamm von Baumfarnen besteht nicht aus Holz mit Jahresringen, sondern ist ein dichtes Geflecht aus Wurzeln und den abgestorbenen, verholzten Basen alter Farnwedel.
Wenn alte Wedel abfallen, hinterlassen sie ein charakteristisches, narbiges Muster auf der Rindenstruktur des Stammes. Er kann im Laufe der Jahre eine Stammhöhe von 10 bis 12 Metern erreichen.
Anders als sommergrüne Bäume verliert der Farn im neuseeländischen Winter seine Wedel nicht. In kühleren Winterphasen verlangsamt sich lediglich das Wachstum des Koru (der sich neu entrollenden Farnwedel). Die charakteristische silberweiße Unterseite bleibt das ganze Jahr über sichtbar.
Harakeke / Neuseeland-Flachs (Phormium tenax): Eine robuste Pflanze mit schwertförmigen Blättern, die traditionell von den Māori für das Weben von Textilien, Matten und Seilen genutzt wird.
Er blüht im neuseeländischen Spätfrühling bis Hochsommer, typischerweise in den Monaten November bis Januar. Auf dem im Juli aufgenommenen Foto sieht man vertrocknete Blütenstände aus dem letzten Sommer.
Wie beim Kōwhai ist der zuckerreiche Nektar der Harakeke-Blüten eine Hauptnahrungsquelle für einheimische Vögel wie den Tūī und den Bellbird (Korimako), die bei der Nektarsuche den Pollen von Pflanze zu Pflanze tragen.


An den Hängen der Banks-Peninsula steht überall Gorse (Ulex europaeus), ein Stechginster. Gorse hat leuchtend gelbe Schmetterlingsblüten, grüne Dornen statt klassischer Blätter und einen intensiven, leicht süßlichen Duft (erinnert an Kokos oder Vanille). Er wurde Ursprünglich im 19. Jahrhundert aus Europa als Heckenpflanze nach Neuseeland eingeführt, um Viehweiden einzuzäunen. Gorse gilt in Neuseeland als extrem invasives Unkraut. Durch das milde Klima blüht und vermehrt er sich dort weitaus aggressiver als in Europa und überwuchert rasch einheimische Ökosysteme, bietet aber andererseits einheimischen Pflanzen auch Schutz vor Weidetieren, sodaß sie heranwachsen können.
Das ist die Tagasaste bzw. Tree Lucerne, Ein immergrüner, schnellwachsender Strauch bzw. kleiner Baum mit dreizähligen, weichen, graugrünen Blättern und duftenden, cremeweißen Schmetterlingsblüten. Sie stammt ursprünglich von den Kanarischen Inseln (insbesondere La Palma). Als Schmetterlingsblütler reichert die Pflanze Stickstoff im Boden an. Die Blüten sind zudem im Vorfrühling eine wichtige Nahrungsquelle für Bienen und den heimischen neuseeländischen Waldvogel Kererū (New Zealand Pigeon). Gilt an manchen Standorten (z. B. Straßenrändern oder Hängen) als verwildert, wird aber im Gegensatz zu Gorse (Stechginster) oft gezielt als Windschutz oder Futterpflanze genutzt.


Das ist eine Myrten-Kreuzblume (Polygala myrtifolia), im Englischen auch als Sweet Pea Bush oder Myrtle-leaf Milkwort bekannt. Sie stammt ursprünglich aus Südafrika.
Die Myrten-Kreuzblume ist ein immergrüner Strauch mit ovalen, myrtenähnlichen, graugrünen Blättern. Die auffälligen, magenta- bis purpurfarbenen Blüten ähneln auf den ersten Blick Schmetterlingsblüten, besitzen aber vorne ein charakteristisches, fransenartiges Büschel (Kiel).
In neuseeländischen Gärten wegen ihrer langen Blütezeit beliebt, gilt sie in küstennahen Gebieten, an Straßenrändern und an Hanglagen (z. B. den Port Hills) als gebietsfremder Exot. Sie neigt dazu, sich leicht über Samen auszubreiten.
In den Gärten blüchen die Akazien (das ist wahrscheinlich die Sydney Golden Wattle).
Sie stammt ursprünglich aus Südost-Australien, hat schmale, längliche Blätter und längliche, zylinderförmige Blütenähren mit cremegelben bis leuchtend gelben, buschigen Blütenstandspinseln.
In Neuseeland gilt diese Akazienart als eingeführter Baum/Strauch und an vielen Orten als invasiver Exot, da sie sich an Küsten, an Straßenrändern und auf kargen Böden schnell ausbreitet und heimische Pflanzen verdrängt


Das sind Kamelien (Camellia), die ursprünglich aus Ostasien (China, Japan) stammt.
Die Kamelie ist ein immergrüner Strauch mit dicken, glänzend dunkelgrünen, leicht gezähnten Blättern. Die gefüllten bis halbgefüllten Blüten variieren von Reingelb/Cremeweiß bis zu kräftigem Pink. Kamelien sind in neuseeländischen Gärten, Parks und Alleen extrem beliebte Zierpflanzen. Das milde Klima bietet ideale Wachstumsbedingungen, sodass sie im neuseeländischen Spätwinter und Frühjahr (Juli bis September) üppig blühen.


Das ist ein Sauerklee (Wood Sorrel), wahrscheinlich der aus Südafrika stammende Fischer-Sauerklee.
Er hat herzförmige Dreiblatt-Blätter (Klee-ähnlich) an aufrechten, leicht rötlichen Stängeln. Die Blüten sind blassrosa bis lilafarben mit einer gelben Mitte. Er biildet unterirdische Knollen sowie kleine Brutknöllchen an den Stängeln aus, über die er sich extrem effizient verbreitet. Die Blätter klappen sich bei Dunkelheit oder Regen zusammen. In Neuseeland ist er weit verbreitet und gilt in Gärten, Rasenflächen und an Waldrändern oft als hartnäckiges Unkraut, da er dichte Teppiche bildet und heimische Pflanzen verdrängt.
Das ist eine aus Japan stammende Stern-Magnolie (Magnolia stellata), wie man sie auch in deutschen Gärten findet.
Die Magnolie ist ein sommergrüner, langsam wachsender kleiner Baum oder großer Strauch, der sternförmige, strahlenförmig angeordnete Blüten mit vielen schmalen, weißen Blütenblättern hat. Sie öffnen sich im Vorfrühling (hier vor winterlichen Schnee/Regenwolken) auf den noch völlig unbeblätterten Zweigen. Sie ist als Straßenbaum (auf dem Bild sieht man eine Magnolien-Allee in der Strickland-Street) in Christchurch’s Wohngebieten sehr beliebt, da sie mitten im neuseeländischen Spätwinter zuverlässig blüht und den Frühling ankündigt.

Ich gebe zu, daß zwei Herzen in meiner Brust schlagen. Zum einen sehen die vielen importierten Pflanzen wirlich sehr hübsch aus, andererseits verdrängen einige von ihnen jedoch sehr aggressiv die ursprüngliche Vegetation.
Honesty Declaration: Die Infos zu den Pflanzen habe ich mir aus dem Internet besorgt.