Die erste Woche als frischgebackener Student in der Masterclass für den MBA liegt hinter mir. Letzte Woche Freitag waren Vroni und ich gemeinsam bei der Einführungsveranstaltung. Dort gab es neben der obligatorischen Vorstellung der Fakultät kurzweilige Impulsvorträge zu den anstehenden Themen.
Ich werde mich in den nächsten 3 Monaten intensiver mit Innovation by Design (aka Design Thinking), Agile and Innovation driven Leadership und Business Sustainability and Economic Decision Making beschäftigen. Einiges davon hat man schon mal gehört bzw. sich selbst während des Berufslebens angeeignet. Trotzdem ist es interessant, diese Themen zu vertiefen und vor allem mit einer bunt gemischten Gruppe aus Kiwis und Ausländern (aus Argentinien, Australien, Chile, China, England, Kanada, Nepal, Polen, USA – jetzt hoffentlich habe ich niemanden vergessen) mit unterschiedlichsten kulturellen und beruflichen Hintergründen zu diskutieren. Wir alle haben gemeinsam, daß wir nicht frisch an der Uni sind, sondern schon einige Jahre Berufserfahrung gesammelt haben. Trotzdem ist es für viele von uns, vor allem die internationalen Studenten wie mich, eine Zäsur im Leben. Der Ortswechsel, das Eintauchen in eine andere Kultur und die Ungewissheit, wie es beruflich weitergeht.
Wir sind eine Gruppe von rund 40 Leuten, die teils Teilzeit neben der regulären Arbeit, teils in Vollzeit, gemeinsam diesen Studiengang in unterschiedlicher Geschwindigkeit absolviert. Die Arbeit in der Gruppe macht großen Spaß und mit einigen aus dem Kurs habe ich schon Gemeinsamkeiten entdeckt. Meine kanadische Kommilitonin haben wir am Wochenende bei einer Hausbesichtigung getroffen und mit einem Kiwi-Kollegen ist schon eine MTB-Runde ausgemacht. Dazu muß nur noch der Container mit dem Rad ankommen.
Anfang der Woche hat es leider extrem geschüttet und gestürmt, so daß ich schon auf dem kurzen Weg vom Auto zur Bibliothek, wo mein IT-Account freigeschaltet wurde und ich meinen Stundenten-Badge erhielt, tropfnaß war. Musste dann halt 3 Stunden, wie damals mit 16 zu Schulzeiten, mit nassen Klamotten im Klassenzimmer sitzen. Seit Mittwoch ist es wieder trocken und ich konnte gestern und heute mit dem Rad zur Uni fahren.
Ich will natürlich dort nicht verschwitzt ankommen, weswegen ich die knapp 7 km gemütlich in einer halben Stunde fahre. Vor den Kursen Bewegung an der frischen Luft zu haben tut richtig gut, man ist danach wach und aufnahmefähig. Außerdem führen gut 2 km der Strecke durch den mit seinen großen Bäumen aus unterschiedlichen Erdteilen sehr grünen Hagley Park und den Riccarton Bush mit dem malerischen Riccarton House. Der Rest ist auf den, im Rahmen der Wiederaufbaumaßnahmen nach dem verheerenden Erdbeben von 2011 sehr gut ausgebauten, Radwegen sicher zu bewältigen. Lediglich mit dem Rechtsabbiegen habe ich noch meine Probleme, weil ich mich immer viel zu spät in den fließenden Verkehr einordne und deshalb regelmäßig auf der falschen Straßenseite an der Ampel stehe. Mit dem Auto ist das erstaunlicherweise viel einfacher. Das wird hoffentlich bald zur Rad-Routine werden.
Eine interessante Erfahrung ist es, mit so vielen jungen Leuten am Campus zu studieren, die alle im Alter meiner Kinder sind. Ich frage mich oft, wie es Moritz, Victoria, Luisa und Ferdinand gerade bei ihrer Ausbildung ergeht und vermisse sie natürlich trotz gelegentlicher Videocalls sehr.
Absolutes Highlight dieser Woche war am Samstag eine extrem kurzweilige Veranstaltung mit dem zentralen Thema „Geschichte der Maori – warum sollten sich neuseeländische Business-Leader damit auseinandersetzen?“. Chrisma und Roki, zwei erfolgreiche Maori-Geschäftsleute vom Iwi (~Stamm) der Ngai Tahu, haben einen weiten Bogen von der Besiedlung Neuseelands vor ca. 1000 Jahren bis in die Gegenwart gespannt. An zahlreichen Beispielen aus Vergangenheit und Gegenwart haben Chrisma und Roki uns die Bedeutung von Mana aufgezeigt. Mana ist, so wie ich es verstanden habe, ein elementares Konzept in der Maori-Kultur, das oft vereinfacht als ‚Prestige‘ oder ‚Macht‘ übersetzt wird, aber es ist weitaus tiefgründiger. Es handelt sich um eine spirituelle Qualität, die Autorität, Einfluss und den Kern des Status einer Person in der Welt umfasst. Da Mana und damit eng verbunden Beziehungen für Maori eine sehr hohe Bedeutung haben, denken sie meist langfristig und verfolgen Ziele oft über Generationen hinweg. Dieses Verhalten wurde beispielsweise während der Corona-Zeit belohnt, wo von Maori geführte Unternehmen, im Gegensatz zu vielen anderen Firmen, kontinuierlich gewachsen sind.
Wir leben immer noch aus Koffern, in unserem mittlerweile dritten AirBnB, und es ist erstaunlich, wie wenig materielle Dinge man wirklich braucht. Trotzdem nervt das Leben aus dem Koffer mit der Zeit, weil man sich an viele Annehmlichkeiten schlicht und einfach gewoehnt hat. Wir sind deshalb ganz froh, daß unser Container mit dem Umzugsgut immer näher kommt. Er wurde in Singapur von der MS Ever Eon auf die NZS Norfolk umgeladen und befindet sich jetzt schon auf der letzten Etappe von Singapur nach Christchurch, wo er voraussichtlich Mitte März eintreffen wird.

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Hallo ihr vier, ich freue mich immer sehr über eure Nachricht/Erfahrungen. Einfach toll🤗
Hört sich alles sehr spannend an. Haltet uns gerne weiter auf dem Laufenden und weiterhin Good Luck! 😉
Ich verfolge auch eure Berichte von der anderen Seite der Erde. Top, wie ihr das meistert!!